How big tech is dividing San Francisco communities | FT

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Technik in der Commerzbank von 1870 bis heute

Von Rolf Aang

Ohne den Einsatz der Technik wäre das moderne Bankwesen, wie es in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts seinen Anfang nahm, undenkbar. Heute durchringt die Technik nahezu alle Lebensbereiche; häufig unter dem Schlagwort “Digitalisierung” zusammengefasst. Die Entwicklung der Banken hin zu Technologieunternehmen und Softwarehäusern lässt sich besonders gut an der Geschichte der Commerzbank ablesen, wie sie in dem Buch Technik in der Commerzbank von 1870 bis heute beschrieben wird.

Die ersten großen technologischen Innovationen mit Auswirkungen auf das Banking waren neue Kommunikationsverfahren und Medien wie Eisenbahn, Postkarte, Briefmarke und Telegrafie, wodurch die Abstimmung der Banken untereinander und damit die Transaktionsabwicklung deutlich beschleunigt werden konnten. Ein weiterer Schub setzte mit der Verbreitung moderner Büromaschinen (Additionsmaschinen, Schreibmaschinen, Rechenmaschinen) ein. Mit der Einführung des Hollerithverfahrens und der Lockkartentechnik begann die moderne Datenverarbeitung ihre Schatten vorauszuwerfen.

Wie viele andere Banken auch, übernahm die Commerzbank die gängigen Verfahren und Geräte, die zum Zweck der beschleunigten Kommunikation und rationellen Buchhaltung nötig waren. Das geschah vor allem auch durch die Übernahme kleinerer Banken, wie des Bankhauses J. Dreyfus & Co. in Frankfurt, das bereits über Fernsprechanschlüsse verfügte. Beschafft wurden die Geräte von verschiedenen Herstellern. Die Additionsmaschinen wurden von Burroughs, die Buchungsmaschinen und Schreibmaschinen von Mercedes und die Kasssenquittierungsmaschinen von Anker eingekauft.

Nach dem 2. Weltkrieg setzte sich in den Banken die Lochkartentechnik endgültig durch. Als erste Bank Deutschlands setzte die Dresdner Bank im Jahr 1958 die erste vollwertige Datenverarbeitungsanlage ein. Die nötige Hardware stammte von IBM und Bull. Um einem Wildwuchs an inkompatiblen Lösungen und Maschinen vorzubeugen, vereinheitliche und zentralisierte die Commerzbank die Datenverarbeitung. Dafür wurde in Frankfurt eine Zentrale Organisationsabteilung gegründet, deren Leiter der damals 32jährige Wolfgang Starke war, der in den 1980er Jahren als Geschäftsführer des Deutschen Sparkassen-und Giroverbands noch Schlagzeilen machen sollte. Um die fortschreitende Technisierung in ihren Folgen für das Bankgeschäft besser abschätzen zu können, rief die Commerzbank zusammen mit der Bayerischen Vereinsbank, der Deutschen Bank, der Dresdner Bank und weiteren Instituten im Jahr 1966 den Arbeitskreis Bankautomation ins Leben. An die Commerzbank ging der Auftrag, die Einsatzmöglichkeiten von Magnetbändern in der Datenverarbeitung zu prüfen. Im Jahr 1968 testete die Commerzbank in der Lübecker Filiale als erste deutsche private Bank einen Geldautomaten.

Zur Bedienung des Automaten benötigten die Kunden einen Schlüssel, eine Ausweiskarte und eine Lockkarte. Mit dem Schlüssel wurde zunächst eine kleine Tür geöffnet, dann musste man die Ausweiskarte in einen Schlitz einstecken und anschließend die Lochkarte in einen zweiten Schlitz einführen. Nach einer Prüfzeit von 16 Sekunden kam aus einen dritten Schlitz ein Hundert-Mark-Schein.

Mit der Einführung des Eurocheque-Verfahrens im Jahr 1969 konnten die europäischen Banken den Vorstoss der US-amerikanischen Kreditkartenunternehmen abwehren.

Die nächste Evolutionsstufe in der Bank-IT setzte mit dem Siegeszug der Terminals und der Personal Computer ein. Die ersten Personalcomputer wurden 1979/80 in der Commerzbank eingesetzt. Anfang der 1980er Jahre kamen die Kontoauszugsdrucker und Automatischen Kassentresore dazu. Die Commerzbank ging dazu über, eigene Programme, u.a. für die interne Steuerung zu entwickeln, wie das bankeigene Finanz-Informations-System FIS oder das Planungs- und Steuerungssystem PUST. Über das Dialogsystem DAISY konnten die dazu berechtigten Kundenberater die verschiedenen Kundendaten in einer Maske abfragen.

In den Filialen setzte man auf die Integrierte Kundenberatung. Die Schalter wurden abgeschafft und durch Beratungstische ersetzt. Durch die Abkehr von der Spartenorientierung sollte das Cross-Selling gefördert werden.

Die Commerzbank entwickelte sich bereits in den 1980er Jahren nach eigener Aussage zu einem Softwarehaus. Ausdruck dessen waren neben den bereits genannten Anwendungen, das weltweite Cash-Management-System CORBA sowie COPAZ, eine Lösung für den Auslandszahlungsverkehr. Ende der 1980er Jahre setzte ich der Name “Electronic Banking” als Sammelbegriff für die elektronische Datenverarbeitung im Firmenkundengeschäft durch. Dank des eigenentwickelten Wertpapierinformations- und Abwicklungssytems Cowias war die Commerzbank lange Zeit unter den deutschen Banken marktführend. Als einziges System war Cowias während der Börsencrashs 1988, 1997 und 2001 in der Lage, Orders an der Börse zu platzieren, wohingegen die anderen Banken wegen Überlastung ihren Dienst einstellen mussten.

Das Internet sorgte dafür, dass die Banken sich erneut mit einem neuen Kommunikationsverfahren auseinandersetzen mussten. Mit Comhome bot die Commerzbank bereits 1994 Telefonbanking an.

Das Angebot beinhaltete die Wahlmöglichkeit zwischen einem mehrfrequenzgesteuerten Sprachausgabesystem und einem persönlichen Gespräch mit einem Berater oder Beraterin. Kunden konnten bequem rund um die Uhr Kontostände und -umsätze abfragen, Schecks bestellen, Geheimzahlen ändern und weitere Informationen abrufen.

Im selben Jahr ging die Tochtergesellschaft comdirect bank GmbH in Quickborn an den Start. Schon 1996 zählte die Bank 75.000 Kunden, wovon 30.000 das beratungsfreie Wertpapiergeschäft nutzten. Die Kunden konnten ihre Bankgeschäfte über einen internetfähigen PC abwickeln. Später entwickelte sich die Comdirect zu einer Vollbank, die auch Kreditkarten, Tagesgeld und Wertpapierkredite anbot.

Die Möglichkeit, über das Internet Waren bestellen und Preise vergleichen zu können, legte den Grundstein für das wachsende Marktsegment E-Commerce. Die Commerzbank sah sich bereits auf dem Weg zu einer “E-Commerz-Bank”. Um ihre Ambitionen zu unterstreichen, gründete die Commerzbank 1999 die Commerz NetBusiness AG (CNB). Die neue Einheit sollte eng mit den Firmenkunden zusammenarbeiten und Bankdienstleistungen vermitteln. Hierfür beteiligte sich die CNB an CAConnect, einem Anbieter von elektronischen Einkaufsportalen für Geschäftskunden (E-Procurement) und Newtron, einem Spezialisten für elektronische Branchen-Marktplätze im internationalen Handel von Vor- und Fertigprodukten.

Die Zeit danach war geprägt von dem Zusammenschluss der Commerzbank mit der Dresdner Bank. Die Integration der IT-Systeme erwies sich als große Herausforderung. Die Ressourcen in der IT wurden fast vollständig von dem Integrationsprojekt in Anspruch genommen. Erst ab 2013/2014 konnte sich die Bank verstärkt den neuen Entwicklungen im Banking, wie Fintech, zuwenden. Ein Ergebnis ist die Gründung des main incubators. Als erste Bank in Deutschland führte die Commerzbank die photo-TAN zur Freigabe von Aufträgen im Onlinebanking ein.

Schlussbetrachtung

Die Technikgeschichte der Commerzbank von 1870 bis heute gibt einen guten Überblick über die wesentlichen Entwicklungsstufen in der Bankautomation. Bis in den 1990er Jahre waren die Banken auf der Höhe der Zeit. Auf jede Herausforderung auf technologischem Gebiet gaben sie immer noch rechtzeitig die passende Antwort. Um das Jahr 2000 herum verloren die Banken jedoch die Tuchfühlung. Die Bemühungen im Bereich Online-Banking und E-Commerce waren letztendlich halbherzig. Sicherlich ist die comdirect ein Erfolgsmodell und auch die Beteiligung an der M-Bank in Polen zeugt von einem guten Spürsinn für künftige Entwicklungen, ebenso wie die Gründung des main incubators. Dennoch: Die Grenzen der Unternehmensstrategie werden immer offensichtlicher. Da wäre zunächst einmal die langsame Abkehr von der Filialstrategie, die Einstellung von Copernikus sowie die vollständige Integration der comdirect in die Commerzbank ebenso wie der geplante Verkauf der m-Bank.

In dem Interview mit dem ehemaligen IT-Vorstand der Commerzbank, Frank Annuscheit, das im Buch enthalten ist, wird die eigentliche Problematik deutlich. Künftig, so Annuscheit, müssen die Banken in der Lage sein, gleichzeitig die Alt-Systeme zu erneuern bzw. abzulösen und am Frontend neue Services und Applikationen auszurollen.

Weitere Informationen:

Banking in der Retrospektive: Als die Commerzbank Pionier bei der Automatisierung war

Zuerst erschienen auf Bankstil

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Franz Simon Meyer: Der Bankier als Chronist und Literat

Von Rolf Aang

Es kommt sehr selten vor, dass sich Bankiers als Chronisten ihrer Zeit und Literaten erweisen. Biografien ehemaliger Bankiers pflegen für gewöhnlich nach wenigen Jahren der – häufig wohlverdienten – Vergessenheit anheim zu fallen. Zu den wenigen Ausnahmen zählen Carl Fürstenberg und Felix Somary.

Der Bankier Franz Simon Meyer, der im 19. Jahrhundert in Rastatt und Baden-Baden tätig war, ist dennoch ein Sonderfall. Franz Simon Meyer lebte von 1799 bis 1871. Seit seinem 16. Lebensjahr hielt Meyer über 55 Jahre seine Gedanken, Zeitbeobachtungen und Erlebnisse in zahlreichen Manuskripten fest. Herausgekommen ist ein in dieser Form wohl einzigartiges Werk, das von Sebastian Diziol in jahrelanger Arbeit zusammengestellt und in zwei Bänden unter dem Titel Die ganze Geschichte meines gleichgültigen Lebens veröffentlicht wurde.

Im ersten Band “Die Jugendjahre des Franz Simon Meyer” (1816 – 1828) schildert Meyer seine Lehrzeit, die ihn in die Schweiz, nach Paris und England führte. Paris stand damals noch unter dem Einfluss der Revolutionsjahre und der Regierungszeit Napoleons. In England trat Meyer eine Welt entgegen, die sich zum Teil fundamental von der französischen und badischen Gesellschaft jener Zeit unterschied. Die Industrialisierung, die später auf dem Kontinent Einzug halten sollte, war hier bereits weit fortgeschritten. In den Fabriken von Manchester, Liverpool, Leeds und Sheffield konnte Meyer sich einen Eindruck von den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Umwälzungen verschaffen, die sein Heimatland ebenfalls verändern würden.

Über die Auswirkungen der Dampfmaschine war sich Meyer schon relativ klar:

Boulton, der die ersten Dampf Maschinen verfertigte, eine Erfindung, die vielleicht später eine größere Umwälzung auf der Erde hervorbringen dürfte, als die Entdeckung des Schießpulvers.

Die Ausdehnung des Welthandels zusammen mit Spekulationsgeschäften in Staatspapieren und Bergwerken führte 1826 zu einer Überhitzung der Wirtschaft, in deren Folge viele Bankhäuser zugrunde gingen, wie Carli und Co in Augsburg, Gebrüder Benneke in Berlin oder Meerwein & Co in Karlsruhe. Das Bankhaus Meyer bliebt davon weitgehend unberührt, was der umsichtigen Führung des Hauses unter dem Vater von Franz Meyer zu verdanken war. Dieser hatte u.a. ein Kreditersuchen des Vaters des späteren österreichischen Außenministers Fürst Metternich höflich aber bestimmt abgewiesen.

Der erste Band ist noch erfüllt vom jugendlichen Elan des Verfassers. Die Zukunft erscheint ihm allen politischen Wirrnissen jener Zeit zum Trotz als vielversprechend. Seine Aufzeichnungen sind eine Mischung aus Reisebericht, Sittengemälde und Reportage. Auf diese Weise bekommt der Leser einen Eindruck von den politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Verhältnissen in den damals führenden Ländern Europas kurz vor dem Einsetzen der Industrialisierung und dem Aufkommen der Massengesellschaft sowie des Nationalstaats.

Im zweiten Band “Franz Simon Meyer in Zeiten der Revolution 1829-1849” begegnet uns der Geschäftsmann, Ehemann und Vater, der sich einmal im Jahr die Zeit nimmt, die wichtigsten Ereignisse des vergangenen Jahres schriftlich festzuhalten. Kaum ein Jahr ist dabei, in dem nicht ein naher Angehöriger oder Freund zu Grabe getragen wird. Darunter seine erste Ehefrau, die im Alter von nur 26 Jahren verstarb. Der Ton wird gesetzter. Der Schwung der frühen Jahre, wie er für den 1. Band kennzeichnend ist, lässt von Jahr zu Jahr spürbar nach. Der Alltag mit seinen Sorgen und Nöten nimmt den Bankier und Ehemann voll in Anspruch. Die Geschäfte in Rastatt und Baden-Baden laufen gut. Als Bankier ist Meyer konservativ und umsichtig. Zu seinen Kunden pflegt er einen persönlichen und zum Teil auch intensiven Kontakt. Seine Urteilskraft wird dadurch jedoch nicht beeinträchtigt, was nicht heisst, dass er nicht auch mal Geld verloren hat. Viel mehr erfährt man nicht. Meyer nimmt regen Anteil am Geschehen in der Welt. Er zeigt sich für seine Zeit bestens informiert über die Ereignisse in den europäischen Nachbarländern ebenso wie die im damaligen deutschen Reich. Die Revolution von 1848 trifft bei Meyer auf wenig Verständnis. Als Bewohner einer Stadt, die ein wichtiger Militärstützpunkt ist, hält er, ganz Kind seiner Zeit und Vertreter seines Standes, an dem obrigkeitsstaatlichen Regierungs- und Gesellschaftsmodell fest.

Wer etwas über die Zeit von 1820 bis 1850 aus der Hand eines Augenzeugen erfahren will, der ein hoch talentierter Literat und Bankier war, sollte zu den Aufzeichnungen von Franz Simon Meyer greifen. Sie stehen durchaus in einer Reihe mit den Tagebüchern des Herzogs von Croÿ und denen von Samuel Pepys.

Zuerst erschienen auf Bankstil

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Das System Amazon – Der gnadenlose Kampf im Onlinehandel | SWR Doku

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The Innovation Illusion with Bjӧrn Weigel

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Innovative Milieus. Die Innovationsfähigkeit deutscher Unternehmen

Das Wirtschaftsumfeld der deutschen Industrie ist geprägt von globalem Wettbewerb und steigender Wissensintensivierung bei gleichzeitig geringem Produktivitätswachstum und disruptiven Veränderungen im Zuge der Digitalisierung. Innovationen sind ein zentraler Hebel, um das abgeschwächte Produktivitätswachstum in der deutschen Industrie anzukurbeln und in weiterer Folge den gesellschaftlichen Wohlstand langfristig zu sichern. Dabei kann die Innovationstätigkeit auf Unternehmensebene vielfältige Formen annehmen. Um diese Vielfalt ganzheitlich abbilden zu können, entwickelt die vorliegende Studie das Konzept der innovativen Milieus auf Unternehmensebene. Als innovative Milieus werden dabei UnternehmensTypen bezeichnet, die in Bezug auf ihre Innovationsaktivitäten kohärente Gruppen darstellen.

Für die vorliegende Studie wurde eine umfangreiche Befragung im Rahmen des IW-Zukunftspanels durchgeführt. Dabei wurden mehr als 1.000 Unternehmen aus dem Industrie-Dienstleistungsverbund zu ihren innovationsrelevanten Merkmalen („Innovationsprofil“) und ihrem Innovationserfolg befragt. Auf Basis dieser Befragung wurden sieben innovative Milieus in Deutschland identifiziert. Die Unternehmen lassen sich anhand ihres Innovationserfolgs und ihres Innovationsprofils in der nachfolgenden grafischen Darstellung verorten. Dabei misst die y-Achse den Innovationserfolg von gering bis hoch. Die x-Achse erfasst das grundlegende Innovationsprofil der Milieus. …

Quelle / Link: Innovative Milieus. Die Innovationsfähigkeit deutscher Unternehmen

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Sprunginnovationen Made in Germany

Von Rolf Aang

Die deutsche Wirtschaft hat Probleme damit, eigene Erfindungen in tragfähige Geschäftsmodelle zu verwandeln. Die Früchte fahren häufig andere ein, wie bei MP3. Die letzte wirkliche Innovation aus Deutschland, die auch hier erfolgreich vermarktet wurde, war, so der Regierungsbeauftragte für Erfindungen, Rafael Laguna, in einem Interview, das Auto. Laguna baut in Leipzig die Bundesagentur für Sprunginnovationen auf. Deutsche Erfindungen sollen auch hier monetarisiert werden und nicht über den Umweg USA oder China bezahlpflichtig zu uns zurückkommen. Junge Unternehmen und Erfinder sollen daher auch nach der ersten Wachstumsphase finanziert werden (Later Stage – Finanzierung).

Jetzt kann man darüber streiten, ob das Auto tatsächlich die letzte Sprunginnovation aus Deutschland ist, die hierzulande zu Geld gemacht wurde. Der Computer, der mit Konrad Zuses Z3 das Licht in Deutschland erblickte, wurde auch in Deutschland durchaus erfolgreich monetarisiert, wie das Beispiel der ehemaligen Nixdorf Computer AG zeigt. Der Computerbauer aus Paderborn verhalf der dezentralen Datenverarbeitung in Deutschland zum Durchbruch. Als der PC die mittlere Datentechnik ablöste, hielt man bei Nixdorf, aber auch bei DEC und Wang, eisern an den großen Maschinen fest. Das Angebot von Apple, gemeinsam Computer zu bauen, schlug Heinz Nixdorf mit der Bemerkung “Ich baue Lastwagen und keine Mopeds” in den Wind.

Eine echte Sprunginnovation war der Walkman. Als der eigentliche Erfinder gilt heute Andreas Pavel (Vgl. dazu: Der Walkman – die ganze Geschichte). Als er sein portables Abspielgerät auf der HiFi-Messe 1976 Vertretern von Philips und Sony vorstellte, zeigten diese kein Interesse, ebenso wenig wie Grundig, wo immerhin der Heinzelmann, eine Art Vorläufer des Walkman, entwickelt und vermarktet wurde.

Aber auch Innovationen aus dem Ausland haben es häufig schwer, in Deutschland auf Resonanz zu stossen. Als der englische Erfinder und Unternehmer James Dyson auf der Suche für Partner für seinen beutellosen Staubsager war, zeigten ihm Miele und andere die kalte Schulter (Vg. dazu. Sturm gegen den Stillstand). Im Jahr 1998, als Amazon nur wenige tausend Mitarbeiter zählte, bot Jeff Bezos Bertelsmann 30 Prozent seines Unternehmens an. Der Deal kam nicht zustande. Trotz seiner damaligen Größe und Marktstellung schaffte es Bertelsmann nicht, die Suchmaschine Lycos in die Gewinnzone zu führen.

Hans Beckhoff, überaus erfolgreicher Unternehmer und Eigentümer von Beckhoff Automation, bedauert noch heute, dass er 1997 die Entwicklung einer Anwendung für MP3 nicht weiter verfolgte.

Beckhoff wollte einen Harddisc-Rekorder bauen. “Hierfür hatten wir ein passendes Verfahren im Internet gefunden und ausgetestet. Dann kam aber der nächste Auftrag aus der Industrie und wir mussten das Projekt aus Kapazitätsgründen stoppen”. Drei Jahre später wurde es weltweit bekannt als MP3. Hans Beckhoff: “Wir hatten MP3 zwar nicht erfunden, aber wir hatten die Anwendung dafür”. (in: Der Automatisierer).

Das scheint symptomatisch für die deutsche Wirtschaft zu sein. Statt Neues auszuprobieren, macht man lieber das Nächstliegende bzw. den nächsten Auftrag. Beckhoff hat es nicht geschadet, da das Unternehmen ausgesprochen innovativ ist. Dennoch: Die Unternehmen beschränken sich hierzulande zu sehr auf die Optimierung des Bestehenden und kümmern sich zu wenig um die Schaffung von Neuem. Der Rahmen des eigenen Geschäfts und die Branchenlogik werden nur selten überschritten. Folge davon ist eine Flucht ins Premium-Segment, wie bei Automobilen und Waschmaschinen. Wenn ausländische Hersteller das gleiche Produkt deutlich günstiger und mit deutlich besserer Benutzerfreundlichkeit herstellen können oder neue Technologien die alten Produktionsverfahren obsolet machen, wird es eng. Optimierung reicht dann nicht mehr. Bei Google dagegen werden ständig neue Produkte und Services entwickelt, von denen nur die wenigsten die Marktreife schaffen. Ausprobieren ist hier die Devise.

Je näher deutsche Hersteller dem Endkunden über digitale Kanäle kommen (müssen), um so erfolgloser sind sie. Statt in Services wird überwiegend in Produkten und Hardware gedacht. Produkte im Beta-Modus auszuliefern und fortlaufend zu verbessern oder neues in den Markt zu bringen, ist die Ausnahme. Es entspricht (noch) nicht unserem Wirtschaftsstil, der noch immer stark von der Deutschland AG geprägt ist.

Auch das Auto kam erst über den Umweg USA bzw. Ford nach Deutschland, als Opel das Prinzip der Fließbandfertigung übernahm und optimierte.

Als die Firma auf dem Höhepunkt der Inflation im August 1923 das Werk schließen musste, plante die Geschäftsleitung als Neubeginn eine Radikalkur. Statt großer, teurer Limousinen sollten in Zukunft kleine, erschwingliche Modelle hergestellt werden. Autos fürs Volk eben.

Fürs Volk, für die Masse produzieren deutsche Unternehmen immer seltener. Man zieht sich auf die Bereiche Premium und B2B zurück in der Hoffnung, hier sein Auskommen zu finden.

Sprunginnovationen aus Deutschland oder die sich in Deutschland erfolgreich vermarkten lassen, müssen von Beginn auf den globalen Massenmarkt ausgelegt sein. Vielleicht ist unser Heimatmarkt inzwischen zu klein geworden, um Sprunginnovationen, die sich weltweit vermarkten lassen, hervorzubringen. Andererseits zeigt das Beispiel Schweden, dass die Größe des Heimatmarktes nicht das alleinige Kriterium für Erfolg ist.

Für echte Sprunginnovationen fehlt in Deutschland derzeit noch der Resonanzboden. Es ist zu wünschen, dass die Bundesagentur für Sprunginnovation daran etwas ändern kann.

Übrigens: Ein Innovator, wenngleich nicht so sehr in technologischer Hinsicht, war Gustav Schickedanz. Der Quelle-Versand hat vieles von dem vorweg genommen, was Amazon später perfektioniert hat (Vgl. dazu: “Gustav Schickedanz. Biografie eines Revolutionärs” von Gregor Schöllgen). Auch diese Form von Sprunginnovationen benötigen wir.

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China – Die Fabrik der Welt (2001-heute) | Doku | ARTE

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Das Geschäftsmodell-Toolbook für digitale Ökosysteme

Die digitale Transformation schafft neue Märkte, verändert Wertschöpfungs- und Marktstrukturen sowie Geschäftsmodelle. Dabei gehen Digitalisierung und Plattformisierung der Wirtschaft Hand in Hand, sodass vielfach von einer digitalen Plattformökonomie die Rede ist. Sie verknüpfen Akteure, die ohne die Plattform nicht oder nur schwer miteinander interagieren könnten. Durch das Zusammenspiel der verschiedenen Akteure entstehen so digitale Ökosysteme.

Amazon, eBay, Android, Qivicon, Adamaos, MindSphere, Wer liefert was, Part Factory oder Lieferanten.de sind Beispiele solcher digitalen Plattformen. Über sie werden Waren, Dienstleistungen und Daten ge- und verkauft oder bestimmte Komponenten zu einem Gesamtystem verknüpft. Solche digitalen Plattformen nehmen in vielen Märkten eine zentrale Rolle ein.

Wer mit plattformbasierten Geschäftsmodellen erfolgreich
sein will, muss die Besonderheiten der digitalen Plattformökonomie berücksichtigen. Mehr noch: Wer es versteht, die Eigenschaften digitaler Plattformmärkte geschickt auszunutzen, kann sich einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil verschaffen. Im Folgenden wird daher erläutert, was digitale Plattformmärkte besonders macht und was dies für den Aufbau von digitalen Ökosystemen bedeutet. …

Quelle / Link: Das Geschäftsmodell-Toolbook für digitale Ökosysteme

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Eberhard Sandschneider | Go oder Schach? – China und der Westen

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